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Mittwoch, 20. November 2019



Samstag, 2. November 2019


Samstag, 2. November 2019 um 10:21:04 von Kulturpool Redaktion

Erweiterte Anbindung aus dem MAK

Anlass
Anlass: Erweiterte Anbindung der MAK Sammlungen

Erweiterte Anbindung der MAK Sammlungen

Das MAK ist ein Museum für Kunst und Alltag. Ein Museum und Labor für angewandte Kunst an der Schnittstelle zu Design, Architektur und Gegenwartskunst. Es ist ein Ort der Begegnung, Interaktion und Interkreativität. (Eigendefinition laut Website)

Die neu aufbereitete und erweiterte Anbindung der Sammlungen des MAK veranlasst zu einem virtuellen Spaziergang durch diesen Ort der digitalen Begegnung. Die Vielfalt der sich darin befindlichen Objekte wird schnell ersichtlich aus den neun angebundenen Sammlungs-Kategorien. Aus fast 250.000 Objekten lässt sich einiges über die Sammlungsausrichtungen des MAK erfahren. Bei dem vorliegenden „Artenreichtum“ empfiehlt sich durchaus ein zielloses Wandern und Kennenlernen der digitalisierten Objekte unterschiedlichster Provenienz und Eigenschaften, die jeweils ihre eigene Geschichte erzählen.

Die Objektkategorien aus den erweiterten Anbindung im Überblick:

 Asien

 Bibliothek und Kunstblättersammlung

 Design

 Gegenwartskunst

 Glas und Keramik

 Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv

 Möbel und Holzarbeiten

 Spezialarchiv - HELMUT LANG

 Textilien und Teppiche

Aus jeder Sammlung ein bis zwei willkürlich entdeckte Objekte, mit der Idee deren Geschichte ein wenig kennenzulernen, durch physisches oder virtuelles Nachschlagen vertiefendes Wissen zu finden oder einfach durch Betrachten die eigene Fantasie zu aktivieren:

1) Asiensammlung


"Go Spieler"
Zwei Männer beim Go-Spiel, Japan, Anonym
Aus der Asiensammlung


"Giebelfeld“
Giebelfeld aus 16 Fliesen
Aus der Asiensammlung

„Das aus 16 Fliesen zusammengesetzte Giebelfeld stammt aus dem Palast des Großwesirs Piale Pascha (um 1515 – 1578) oder aus der von ihm gestifteten Moschee. Beide wurden 1573 vollendet und waren überreich mit Fliesenfeldern dekoriert. Vor Spiralmotiven dominiert im so genannten "Tomatenrot" ein Glück verheißendes Knotenmotiv aus Wolkenbändern. Palast und Moschee wurden nach einem Erdbeben 1890 "renoviert" und Fliesenfelder über Händler weltweit verkauft: Mindestens neun idente Tympana befinden sich heute in europäischen und amerikanischen Museen.“


"Doumu“, Himmelsmutter und Göttin des Polarsternes
Anonym, Dehua, 1701-1722
Aus der Asiensammlung

Ikonographisch wird Doumu normalerweise mit acht Armen und vier Gesichtern dargestellt, deren jedes in eine Himmelsrichtung sieht. Sie spielen auf die Funktion der Göttin als allgegenwärtige und tatkräftige Helferin an. In den Händen hält sie Sonne und Mond, die Pfirsiche der Unsterblichkeit, ein Schwert und andere Symbole; manchmal wird sie auch mit einem Eberkopf dargestellt. Sie wird häufig zusammen mit Xiwangmu und einer Erdgöttin abgebildet, als Symbol der daoistischen Triade und der kosmischen Harmonie. (Definition laut Wikipedia)


"Gott des langen Lebens“
Shoulao / Shou lao (Gott des langen Lebens) mit Hirsch, Kranich und Schildkröte in zwei Teilen
Aus der Asiensammlung

Der Gott des langen Lebens findet sich auch in der heutigen Comic-Literatur wieder.


"Shou Lao“ (Aus dem Netz, Wikipedia)
Shou-Lao ist eine fiktive Figur, die in amerikanischen Comic-Büchern erscheint, die von Marvel Comics veröffentlicht werden.
Ein unsterblicher Drache, dessen Herz Menschen die Kraft der Eisernen Faust verleihen kann. Nach einer tödlichen Niederlage wird er wieder neu geboren.

 2) Bibliothek und Kunstblättersammlung


"Byzanz"
Kopie der Rückseite eines byzantinischen Bucheinbandes (10./11. Jahrhundert) mit Email cloisonné und Edelsteinbesatz sowie der Darstellung der Hl. Maria mit dem Erzengel Michael, Johannes dem Täufer, Johannes Chrisostomus, den drei kappadokischen Kirchenvätern Gregorius von Nazianz, Nikolaus, Basileios, zwei Aposteln, den Eltern des Täufers und der Hl. Maria aus der Biblioteca Nazionale Marciana zu Venezia (Lat III, 100) von Ignaz Schönbrunner
Aus der Bibliothek und Kunstblättersammlung

 3) Design


"Netzschlauch"
Kompostierbarer Netzschlauch für Frühkartoffeln, weiß
Aus der Design Sammlung


"Terracooler"
Augustin, Stephan (Entwurf) (München)
Mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt ohne Anschluss an das Stromnetz, was bedeutet, dass keine Energieversorgung zum Betrieb elektrischer Geräte verfügbar ist. Das schließt auch Kühlschränke ein, sodass Lebensmittel und Pflanzen, die zur ausreichenden und gesunden Ernährung notwendig sind, schnell verderben und nicht mehr zur Verfügung stehen. Der TERRACOOLER ist ein universell einsetzbares ökologisches Kühlgerät. Die doppelwandige, glockenförmige Terrakotta dient der natürlichen Kühlung und Konservierung von Nahrungsmitteln. Die Innentemperatur kühlt gegenüber der Außentemperatur um etwa 25 bis 40 Prozent ab und macht die gekühlten Produkte bis zu zehnmal länger haltbar. Das Projekt wurde als „Donationware“ online veröffentlicht, das Design ist kostenlos und global verfügbar.
Aus der Design Sammlung

4) Gegenwartskunst

Wie bei einem Spaziergang ist abschweifen erlaubt und ein Blick in die Kunstseiten vertieft den Einblick. Den zwei Objekten aus der Sammlung Gegenwartskunst wurde jeweils ein relevanter Artikel aus einer Zeitung und einem Magazin beigefügt.


"Disziplinator"
Atelier Van Lieshout - Der Disziplinator: Geschlauchte Schaumstoffmenschen
Aus der Sammlung Gegenwartskunst

Joep van Lieshout wird immer grausamer. Fast harmlos macht sich rückblickend seine mittlerweile gescheiterte, wenige Monate tatsächlich funktionierende AVL-Ville in Rotterdam aus. Ebenso die Bombenbastel-Studios, mit denen er Politik und Exekutive auf den Plan rief. Alles ein Kaffeekränzchen gegen das, was er uns nun im MAK unterbreitet: "Disziplinator" heißt die eine Maschine, "Technokrat" die andere - und uns schwant jetzt schon Böses. In einem Käfig sollen, so der Plan, der in Wirklichkeit ja eh keiner ist, 72 Menschen Baumstämme mittels Feilen zu Sägespänen verarbeiten. Schlafen und essen müssen sie auch dort. Im MAK ist ein Prototyp für dieses System aus rohen Gerüsten und Holz gezimmert, auf möglichst wenig Raum sind Tische, Klos, Duschen und Betten untergebracht. Schlimmer noch der "Technokrat": Da sollen den Bedauernswerten auf einer Seite Fäkalien zwecks Biogasproduktion abgezapft, auf der anderen Nahrung zugeführt werden. Und das, während sie in harten "Betten"-Batterien liegen. Sinn und Zweck der Übung: Einen Kreislauf zu schaffen, der völlig autark funktioniert - der Mensch ist darin Rohstofflieferant und Konsument in einem. Interessant ist, dass es offensichtlich nicht reicht, diese dystopischen Systeme einfach zu skizzieren. Da machen sich riesige Container im MAK breit, Schläuche schlängeln sich durch die Hallen. Gleichzeitig gibt man ein wenig kokett vor, dass Ästhetik eigentlich unwichtig sei. Wäre es das, könnte sich Joep van Lieshout (der, braucht er doch einen Stab an Mitarbeitern für seine Projekte, längst nur noch unter der Dachmarke Atelier van Lieshout auftritt) mit Zeichnungen begnügen. Eine spröde, brutale Archaik versprüht das Design, das keines sein will, und irgendwo liegt dann auch noch ein Häuflein Schaumstoffmenschen herum. Die schockierenden Vorstellungen hinter AVLs Kreisläufen, deren Dysfunktionalität und Körperfeindlichkeit an die Junggesellenmaschinen der frühen Avantgarde denken lässt, mögen beeindrucken. Hatte Joep van Lieshout noch vor einigen Jahren die Hermetik und Rationalität affirmiert, so erscheinen diese Kategorien nun problematisch. Und damit Lieshouts frühere Arbeiten. Diese werden von der Grausamkeit der hier präsentierten gewaltig relativiert.
Nina Schedlmayer, 22.06.05, artmagazine.cc


"Die Kunst fängt beim Künstler an. Wo kein Künstler ist, kann auch keine Kunst sein. Es gibt nichts, was ohne Künstler Kunst wäre. Auch Photographie nicht. Nur durch den Künstler wird sie zur Kunst“
Frieberger, Padhi, Künstler (1964)
Aus der Sammlung Gegenwartskunst

Andrea Schurian schreibt einen Nachruf über Padhi Friedberger, 27. Jänner 2016, veröffentlicht im Standard:

"Kunst ist Angriff" war seine lebenslange Devise. Padhi Frieberger war der große Außenseiter der österreichischen Kunstszene: anarchisch, autonom, hochpolitisch. Radikal entzog er sich den Regeln des Kunstmarktes.

Fast möchte man glauben, das Wort "unangepasst" sei überhaupt erst eigens für ihn erfunden worden: Padhi Frieberger gehörte zwar zum innersten Kreis österreichischer Avantgarde. Doch er hielt eisern Sicherheitsabstand zur Kunstversteherbussigesellschaft, entzog sich radikal der Geschäftigkeit des Kunstmarktes, dessen Regeln und Gesetzen. Der Verführung des schnellen Erfolgs erlag er nicht. "In Wien gibt es eine Gruppe von Banausen, die akkurat Galerien betreiben, nur um die Moral zu zerstören, die die Moderne manifestiert hat. Die tun so, als ob. Das ist ein fortgeschrittener Zerstörungstrieb", sagte er beispielsweise in Fritz Kleibels Dokumentation Padhiland 1.
Seit den frühen 1950er-Jahren, als er an der Adria einen Kilometer lang Ufersteine blau, rot und weiß bemalte, um die "Reaktionen der Neurotiker" zu testen, wucherte und wuchs sein großes künstlerisches Werk. Autonom, anarchisch, hochpolitisch – und immer mit feinem Humor. Seine Kunst war ihrer Zeit stets um Jahrzehnte voraus. Frieberger, der 1954 mit Maria Lassnig zusammenlebte, verschickte Mail-Art, lange bevor man überhaupt einen Begriff dafür hatte.

Bahnbrechend auch seine inszenierten Fotografien, denen er Titel gab wie Trommelfeuer gegen Schaumschläger und Schastrommler. Er erklärte mit seinen Skulpturcollagen aus Found Objects, Alltagsgegenständen, Flaggen, Instrumenten, Tisch- und Sesselruinen, Farbpinseln Das Ende der Staffelmalerei, thematisierte Justizirrtum und Todesstrafe und ironisierte die österreichische Vergangenheitsseligkeit mit einem Scheißbraunen Lipizzaner.

Aus Bodenbrettern zimmerte Frieberger Selbstporträts; er schrieb kluge Aphorismen; er jazzte, aktionierte, malte, zeichnete. Er züchtete Tauben, besetzte die Arena und die Hainburger Au. Kunst und Leben verschmolzen zu einem einzigartigen, eigenartigen Universum, zu seinem Padhiland. Nicht was, sondern wie man es tue, definiere Kunst, sagte er einmal.

Abwehr gegen Establishment

"Er kann vermeintlich verfahrenen Situationen Flügel verleihen. Er kann mit einem Stück Holz zeigen, dass Grenzen unbedingt überschritten werden wollen. Die Situation ist sein Material, deren Lösung das Produkt", fand der Kunstkritiker Markus Mittringer die vielleicht trefflichste Beschreibung für Frieberger und sein Werk.

Vieles, das meiste, entstand aus Friebergers Abwehrhaltung gegen das Establishment. Und das wiederum rächte sich und ließ ihn links liegen. Die Liste der Ausstellungen ist folglich schütter. Erst 1981 fand die erste Präsentation in der Wiener Galerie Hummel statt.
Es gehört zu den Verdiensten des damaligen Mak-Direktors Peter Noever, dass er Frieberger 2007 erstmals in einem Museum präsentierte. Der Titel Ohne Künstler keine Kunst war wohl auch als Aufforderung gemeint: Frieberger, der seinen wenigen Vernissagen meist lieber ferngeblieben war, erschien tatsächlich zur Eröffnung. "Padhi Frieberger mag stur sein, verkrustet ist er nicht", schrieb Mittringer. 2011 ehrte ihn das Forum Frohner in der Kunsthalle Krems. Zehn Jahre vorher, 2001, hatte Frieberger den Preis der Stadt Wien für Kunst bekommen. Das war's dann aber auch schon mit der öffentlichen Wahrnehmung und Anerkennung.

Wer hat das letzte Wort? nannte Frieberger seine Aphorismussammlung, in der er sich über Spießer und Geldmacher mokiert. Der Erscheinungstermin dieser Sammlung ist unbekannt. Auch Geburtsort und -jahr des Widerstandsgeistes sind nebulös. Er sei, heißt es, 1931 in Wien geboren; andere Quellen sprechen von 1929 und Krems. Nun wollte er, in seinem allerletzten Wort, auch seinen Tod zumindest bis nach dem Begräbnis geheimhalten: nur keine tränengetränkten Grabreden von offizieller Kulturstelle!
Padhi Frieberger starb am 9. Jänner 85-jährig in Wien.

  • Andrea Schurian, 27. Jänner 2016, Der Standard

In der Sammlung Gegenwartskunst finden sich 63 Einträge zu Padhi Friedberger.

 5) Glas und Keramik

Über 12.000 Objekte/Digitalisate beinhaltet die Sammlung Glas und Keramik


"Streusand"
Zylindrischer Tinten- und Streusandbehälter mit vergoldeten Kanten, auf den vier Seitenflächen bunte Wiener Ansichten, darüber goldener umlaufender Streifen, in dem auf weißem ausgespartem Schild die jeweilige Bezeichnung steht.
Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien (Manufaktur), (Wien, 1814)
Aus der Glas und Keramiksammlung


"Kerzenleuchter"
Scherzendes Biedermeierpaar auf mit Blumengirlanden verziertem Rundsockel
Wiener Manufaktur Friedrich Goldscheider (Manufaktur), (Wien, 1913/1914)
Aus der Glas und Keramiksammlung

 6) Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv

Über 30.000 auffindbare Objekte in dieser Sammlung ergeben einen nachhaltigen Eindruck über das reichhaltige Schaffen der Wiener Werkstätte und der KünstlerInnen und DesignerInnen dieser Zeit.


"Samowar"
Hoffmann, Josef (Entwurf), (Wien, 1909)
Wiener Werkstätte (Manufaktur)

Metall:

"Kompendium"
Astronomisches Kompendium, Christoph Trechsler d. Ä., Entwurf, (Dresden, 1611)
Der Metallrahmen mit diversen Instrumenten ist gleichsam als zweiter Einband auf ein leeres Notizbuch aufgeschraubt. Auf der Oberseite des Deckels ist eine Monduhr mit Aspektschema dargestellt, die Erklärung dazu ist auf der Unterseite eingraviert. Mit Hilfe der Skalen kann die Uhr auch bei Mondlicht abgelesen werden. Im aufklappbaren Deckel befindet sich eine Horizontal- und Vertikalsonnenuhr mit Kompass. Am Deckel der Rückseite sind innen eine kleine Windrose und ein Zahlenquadrat dargestellt. In dem Metallrahmen darunter verbirgt sich eine Brille aus grünem Glas, die als Sonnenschutz dient.
Aus der Metall und Wiener Werkstätte-Archiv Sammlung

 7) Möbel und Holzarbeiten


"Koranlesepult"
Anonym, Ausführung, (Bosnien, um 1890)
Aus der Möbel und Holzarbeiten Sammlung


"Bett aus einer Einrichtung für das Atelierhaus Ernst Stöhrs in St. Johann am Wocheinersee"
Hoffmann, Josef, Entwurf, (Wien, um 1898)
Anonym, Ausführung, (Wien, um 1898)
Aus der Möbel und Holzarbeiten Sammlung

 8) Spezialarchiv - HELMUT LANG

Über 1.500 Objekte aus dem Helmut Lang Spezialarchiv vermitteln die Design Vielfalt Helmut Langs

Damenkleid - naturweiß (deskriptiver Titel)
Lang, Helmut (Modemarke) (USA, 2003)
Lang, Helmut (Entwurf) (Italien, 2003)
Prada (Ausführung)
Aus dem Spezialarchiv - Helmut Lang


"Sonnenbrille"
metal frame sunglasses (Originaltitel)
Lang, Helmut (Modemarke) (USA)
Lang, Helmut (Entwurf) (Italien)
Prada (Ausführung)
Aus dem Spezialarchiv - Helmut Lang

 9) Textilien und Teppiche

Mit über 15.000 Objekten

"Tunika"
Tunikafragment mit Streifen, Schulterbereich und ein Ärmel;
Doppelstreifen mit stilisiertem Pflanzendekor; Saumborte mit geometrischen Motive (deskriptiver Titel)
Anonym, Ausführung, Ägypten
Aus der Textilien und Teppiche Sammlung

Wem das spätherbstliche oder frühwinterliche Wetter nicht nach draußen lockt, findet in den MAK-Sammlungen auf digitalen Wegen stets einen "Tag der offenen digitalen Tür" vor.

Mittwoch, 20. November 2019 um 10:26:36 von Kulturpool Redaktion

30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs

Anlass
Anlass: 30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs

Eindrücke, Erinnerungen, Verlinkungen zum Fall des Eisernen Vorhangs vor 30 Jahren

Vor genau 30 Jahren prägte ein Ereignis eine ganze Generation: Der Fall des Eisernen Vorhangs. Eine Ansammlung von Begriffserklärungen und Links möge inspirieren und diesen historischen Moment aus verschiedenen Betrachtungswinkeln wieder in Erinnerung bringen. Die Nutzung der digitalen Plattformen Europeana und Kulturpool als auch über weiterer Links mag ein Bild von der Bedeutung der Ereignisse im Jahr 1989 geben.

Die virtuelle Bibliothek Europeana ruft im Rahmen einer Blog – Parade, bei der sich jeder durch Einbringung eigener Erfahrungen, Erinnerungen oder auch durch Einbindung digitalisierter Bilder beteiligen kann, zu einer Sammlung persönlicher Erfahrungen zum Thema „Der Fall des Eisernen Vorhangs“ auf.

EUROPEANA – BLOG PARADE!

https://blog.europeana.eu/2019/08/remember1989-and-the-fall-of-the-iron-curtain-by-joining-our-blog-parade/

Zum Begriff einer “Generation”:

von lat. generátio „Nachkommenschaft“, dem Abstraktum von lat. generáre „erzeugen“. (Kluge)

Für die Soziologie hat Karl Mannheim 1928 im Rahmen seiner Wissenssoziologie einen prägenden und auch auf andere Wissenschaften ausstrahlenden „Generationen“-Begriff vorgelegt, der nicht die zuvor üblicherweise genannten 30 Jahre umfasst, sondern durch gemeinsame „Generationserlebnisse“ charakterisiert wird, also prägende Ereignisse in Kindheit und Jugend, die einen Einfluss auf ganze Geburtsjahrgänge haben.
Im soziokulturellen Verständnis ist eine Generation eine große Gruppe von Menschen, die als „Altersgruppe“ in ihrer Gesellschaft oder aufgrund der gemeinsamen Prägung durch eine spezifische historische oder kulturelle Konstellation eine zeitbezogene Ähnlichkeit aufweisen. (Wikipedia)


"Eiserner Vorhang"
Fotografie Herbert Kofler
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Der EISERNE VORHANG, die Grenzziehung

Der Eiserne Vorhang schuf eine lange und schwere Trennungslinie durch ganz Europa. Politisch, ideologisch, wirtschaftlich, sprachlich auf sehr vielen Ebenen wurden Regionen geteilt und durch Mauern auf vielen Ebenen getrennt.
Der Begriff „Eiserner Vorhang“ fand seinen Weg in die Begriffswelt des Kalten Krieges unter anderem geprägt durch eine Rede des damaligen britischen Premierministers Winston Churchill in Fulton, Missouri, im Jahr 1946:

“From Stettin in the Baltic to Trieste in the Adriatic an Iron Curtain has descended across the Continent. Behind that line lie all the capitals of the ancient states of Central and Eastern Europe. Warsaw, Berlin, Prague, Vienna, Budapest, Belgrade, Bucharest and Sofia; all these famous cities and the populations around them lie in what I must call the Soviet sphere, and all are subject, in one form or another, not only to Soviet influence but to a very high and in some cases increasing measure of control from Moscow.”

„Von Stettin an der Ostsee bis Triest an der Adria hat sich ein Eiserner Vorhang auf Europa herabgesenkt. Dahinter liegen all die Hauptstädte der alten Staaten Mittel- und Osteuropas. Warschau, Berlin, Prag, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia. Diese berühmten Städte und die Bevölkerung ringsum liegen alle im sowjetischen Wirkungskreis, so muss ich es nennen, und unterliegen, auf die eine oder andere Weise, nicht bloß sowjetischem Einfluss, sondern zu einem sehr hohen und in einigen Fällen zunehmendem Maße der Lenkung durch Moskau.“


"Verlauf des Eisernen Vorhangs"
Europa-Karte, Kurier

Der "Eiserne Vorhang" etablierte sich in seiner Entstehungsgeschichte als Metapher für die Blockbildung im Sinne der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Abschottung der staatssozialistischen Länder Mittel- und Osteuropas nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und wurde in diesem ideologischen Kontext auf westlicher Seite verwendet.

Der "Eiserne Vorhang" wird in diesem Zusammenhang als einer der „unverzichtbaren Begriffe im Vokabular des Kalten Krieges“ beschrieben. Untrennbar verbunden ist die Metapher mit der – in Zeiten des "Kalten Kriegs" im Westen geläufigen – Bezeichnung für die technischen Grenzbefestigungen, die die staatssozialistischen Länder (mit Ausnahme Jugoslawiens) vom Rest Europas trennten. Diese wurden seit Ende der 1940er-Jahre errichtet, existierten bis Ende der 1980er-Jahre und fanden insbesondere in die kartographische Darstellung Europas Eingang. Kartographische Visualisierungen der Systemgrenzen wurden vor allem in Schulbüchern und (Schul-)Atlanten gezeigt, dieses "Mapping Europe" war somit Bestandteil des Kanons der visuellen Repräsentationen.

Demokratiezentrum http://www.demokratiezentrum.org/index.php?id=1580


"Landkarte Europas"
Demokratiewebstatt der Parlamentsdirektion

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-die-oeffnung-des-eisernen-vorhangs/oesterreichs-rolle-im-geteilten-europa/die-grenze-zu-oesterreich/

Auf diese Art markierten die Landkarten Europas auf bildliche Weise die klar gezogene Differenz zwischen Systemgrenzen, also die Grenze zwischen den Bündnisblöcken in Europa. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und dem "Fall des Eisernen Vorhangs" ging der Begriff als Bezeichnung für das Grenzsystem in den gesamteuropäischen Sprachgebrauch über.

Ursprüngliche Bedeutung "Eiserner Vorhang"

In seiner originären Bedeutung charakterisiert der eiserne Vorhang einen feuersicheren und rauchdichten Vorhang im Theater, der bei Feuergefahr die Bühne gegen den Zuschauerraum abschließt.


"Wien I, Burgtheater, Mauer unter dem Eisernen Vorhang, Grundrisse und Aufriß"
Grundriss Carl von Hasenauers (1833 - 1894 Wien)
Aus der Sammlung der Albertina, Wien

Eiserner Vorhang des Wiener Burgtheaters


"Wien 1, Akademietheater Eiserner Vorhang."
Entwurf von Zülow: Wiener Heldenplatz von der Hofburgloggia gegen das Rathaus, 1911
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Eiserner Vorhang des Wiener Akademietheaters

Weitere Verwendungen des Begriffes "Eiserner Vorhang"

Zwar prägte Churchill den "Eisernen Vorhang" als politische Metapher, diese wurde allerdings als Synonym für eine unüberwindbare politische Grenze bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in mehreren literarischen Werken erwähnt, wobei vor allem die Schriftsteller Philipp Snowdon, Vasily Rozanov und Lev Nikulin den Begriff mit den Folgen der russischen Revolution und dem bolschewistischen Russland versus Europa kontextualisierten. Im Zusammenhang mit einer wachsenden sowjetischen Einflusszone in Europa wurde der Eiserne Vorhang mehrmals in der NS-Zeitung „Das Reich“ sowie in einem darin veröffentlichten Artikel Joseph Gobbels’ 1945 verwendet.
Texte: Petra Mayerhofer, Demokratiezentrum

Der "Eiserne Vorhang" als hochgerüstete Grenzsperre wurde ab Ende der 1940er-Jahre an den Grenzen Ungarns zu Österreich, der damaligen Tschechoslowakei zur damaligen BRD und zu Österreich, Bulgariens zu Griechenland und zur Türkei und an der damaligen innerdeutschen Grenze von der DDR errichtet. In Skandinavien war die Grenze zwischen der damaligen Sowjetunion und Norwegen beziehungsweise Finnland zwar geschlossen und streng bewacht, es gab aber keine Grenzanlagen wie in Mittel- und Südosteuropa.


"Grenzöffnung Österreich - Ungarn"
Linschinger, Franz
Der Rest vom Eisernen Vorhang bei Hegyeshalom, 1989
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Hierbei ist zu erwähnen, dass ab 1949 auch die Grenzen zwischen den einzelnen staatssozialistischen Ländern geschlossen, aber nicht befestigt wurden. Die technischen Abriegelungen entlang der Grenze wurden je nach Staat Ende der 1940er-Jahre, zu Beginn der 1950er-Jahre gebaut, zum Beispiel wurden in Ungarn 1948 die Grenze und die Grenzzone gesperrt, ab 1949 wurden Drahthindernisse errichtet und Minenfelder gelegt.


"Triebwagen der ÖBB"
Harry Weber
Triebwagen der ÖBB Baureihe 5041 (ex BBÖ VT 41/DRB C4ivT 880--889) fährt nach Schattendorf-Loipersbach durch die Grenzsicherungen.
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek


"Eiserner Vorhang, 1952"
Herbert Kofler
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek sowie der Europeana

Der Mauerbau

Die innerdeutsche Grenze wurde mit Stacheldrahtverhauen, Sichtblenden, Minenfeldern, Hundelaufanlagen und Selbstschussautomaten versehen, in Berlin trennte ab 1961 die Berliner Mauer den West- und den Ostteil der Stadt.


"Berlinermauer, Bethaniendamm "
From Wikimedia Commons, the free media repository

In der Nacht von 12. auf 13. August 1961 begannen Grenzpolizisten der DDR (Deutsche Demokratische Republik) Straßen und Geleise in die Westzonen Berlins abzuriegeln, Verkehrsverbindungen zu unterbrechen, an einigen Stellen Mauern zu errichten und quer durch die Stadt Stacheldraht zu ziehen. Es entstand eine drei Meter hohe Mauer quer durch und rund um West-Berlin.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt, ebenso die Hauptstadt Berlin, die von den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion gemeinsam verwaltet wurde. Doch von Anfang an gab es Spannungen zwischen den alliierten Siegermächten – vor allem zwischen den USA und der Sowjetunion – die schließlich zum Kalten Krieg führten.
1949 entstanden im besetzten Deutschland zwei Staaten: Die drei West-Zonen gründeten die Bundesrepublik Deutschland (BRD) mit der Hauptstadt Bonn. Die sowjetisch besetzte Ost-Zone errichtete die Deutsche Demokratische Republik (DDR), die, obwohl sie die Demokratie in ihrem Namen trug, von der obersten Partei- und Staatsführung diktatorisch geführt wurde. Die DDR machte Ost-Berlin zu ihrer Hauptstadt. Der Westteil der Stadt stand weiterhin unter dem Schutz der westlichen Siegermächte USA, Frankreich und Großbritannien.
Zu Beginn der Teilung Deutschlands konnten die Menschen die Grenze zwischen der DDR im Osten und der BRD im Westen ungehindert überqueren. In Berlin kam es vor, dass manche Menschen im Ost-Teil der Stadt wohnten und im West-Teil arbeiteten oder umgekehrt.

Während die BRD einen steilen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte und es den Menschen im Westen gut ging, kämpfte die DDR mit wirtschaftlichen Problemen. Viele beschlossen daher, die DDR zu verlassen und für immer im Westen zu bleiben. Das war für die DDR ein Problem, denn es fehlten mehr und mehr Arbeitskräfte. Die oberste Partei- und Staatsführung der DDR beschloss daher, die Menschen daran zu hindern, das Land zu verlassen. Sie errichtete entlang der Grenze Sperranlagen: Wachtürme wurden gebaut und Soldaten stationiert, Minen verlegt und Selbstschussanlagen aufgestellt. Wer die Grenze überqueren wollte, riskierte sein Leben.

Mit dem Bau der Berliner Mauer wurde das letzte „Schlupfloch“ zwischen dem Osten und dem Westen dicht gemacht. Durch die Berliner Mauer war der Osten Berlins total vom Westen abgeriegelt. Aus dem Osten führte kein Weg mehr in den Westen. Dennoch versuchten viele Menschen aus der DDR in den Westen zu fliehen. An der Berliner Mauer starben in den Jahren 1961 bis 1989 136 Menschen.

Texte: Demokratiewebstatt, Weiterführendes auf " https://www.demokratiewebstatt.at "

Grenzbefestigungen, Ungarn Aufstand, Andau

Bilder dieser Grenzbefestigungen zeigen ein Abriegelungssystem, welches bis 1989 technisch ausgebaut wurde. Bis in die 1980er-Jahre wurden die Hürden immer ausgefeilter, ein elektronisches Signalsystem, Stolperdrähte, Signalraketen, Detektoren, Suchhunde, Nachtsichtgeräte, Infrarotsignalapparate und Hubschrauber wurden eingesetzt, um Flüchtende aufzuhalten. Um das technische Abriegelungssystem des "Eisernen Vorhangs" gab es eine Grenzzone, die Personen nur mit Sondererlaubnis zugänglich war. Der "Eiserne Vorhang" teilte somit Städte, schlug Schneisen durch Landschaften und stellte aufgrund seiner Existenz eine „Hervorbringung einer Differenz im Raum“ dar. Der Ost-West-Konflikt wurde durch die Existenz des Grenzsystems im öffentlichen Raum offensichtlich vor Augen geführt.


"Am Eisernen Vorhang"
Niemandsland auf der ehemaligen Bundesstraße von Laa an der Thaya nach Hevlin. Tschechischer Grenzpolizist zwischen den Sperren.
United States Information Service (USIS)
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Art und Weise der Grenzbefestigung durchliefen allerdings je nach Staat und weltpolitischen Determinanten Phasen der Abrüstung wie der Aufrüstung. Die Grenzverläufe waren unterschiedlich stark mit Abriegelungsanlagen befestigt, was dazu führte, dass Fluchtwillige versuchten, in anderen sozialistischen Ländern den "Eisernen Vorhang" zu überwinden.

Gelockerter Eiserner Vorhang, Europeana, 9. Juni 1964
https://www.europeana.eu/portal/en/record/2022039/11088_de_bo133_62206.html?q=Eiserner+Vorhang#dcId=1574148355723&p=1
Link zu Europeana, im Dokument auf Seite 2 nachlesbar

Bis 1975 war die Reisefreiheit zwischen den Systemgrenzen extrem eingeschränkt, eine Ausreise in den Westen nicht möglich, eine Einreise in den Osten wurde nur gegen Vorlage von Devisen gestattet. Erst nach der KSZE-Schlussakte der Konferenz in Helsinki 1975 wurde eine Emigration aus dem Osten aus familiären und humanitären Gründen erlaubt, Ausreisewillige mussten einen diesbezüglichen Antrag stellen, wurden aber als undankbare Feinde des Staates angesehen. Fluchtversuche wurden angesichts der ständigen Modernisierung und Erweiterung der Grenzanlage immer schwieriger, beispielsweise wurden an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn zwischen 1966 und 1988 13.500 Fluchtversuche registriert, lediglich 300 Ungarn und Ungarinnen gelang die Flucht. Fluchtversuchen wurde mit stetigem Ausbau und fortlaufender Modernisierung der Grenzanlagen begegnet. Beispielsweise wurde entlang der ungarisch-österreichischen Grenze aufgrund von Versuchen, einen Tunnel unter den elektronischen Zaun zu graben, ab 1975/76 dieser unterirdisch zubetoniert, eine Art „Ungarische Mauer“ entstand.


"Ungarn 1956"
Flüchtlinge aus Ungarn im Grenzort Andau.
Fotografie, Harry Weber
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Als Symbol einer geglückten Überwindung des "Eisernen Vorhangs" gelten die Bilder von der Massenflucht im Zuge des Ungarn-Aufstandes 1956. Am 4. November 1956 setzte eine Massenfluchtbewegung ein, insgesamt kamen rund 200.000 Flüchtlinge nach Österreich. Rund 70.000 Ungarn kamen durch den „Einser-Kanal“, einen schmalen Durchfluss zum Neusiedlersee, in der Nähe des österreichischen Ortes Andau nach Österreich. Über den Einser-Kanal erstreckte sich – noch auf ungarischem Hoheitsgebiet – auch die „Brücke von Andau“, ein Holzgerüst, das am 21. November 1956 von sowjetischer Seite gesprengt wurde, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen.


"Ungarn 1956"
Notquartier für geflüchtete Ungarn in der Volksschule von Andau nach der Niederschlagung des Volksaufstandes.
United States Information Service (USIS), 1956
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Der Mythos „Brücke von Andau“ im Sinne eines Tores in die Freiheit korrespondierte mit dem traditionellen Selbstbild der beiden mitteleuropäischen Staaten Ungarn und Österreich im Sinne einer Verbindung zwischen Westen und Osten.

Texte: Petra Mayrhofer, Demokratiezentrum
Weiterführende Texte und Bilder auf "http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europa-im-wandel-1989-und-die-folgen.html"

Berliner Art Week AUSSTELLUNG im Gropius Bau - Durch Mauern gehen

Zum 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer untersucht die Gruppenausstellung Durch Mauern gehen auf Teilung und Spaltung basierende Machtstrukturen und richtet den Blick auf die damit verknüpften Erfahrungen und Auswirkungen auf individueller und kollektiver Ebene.

Diese künstlerische Auseinandersetzung findet derzeit im Gropius Bau in Berlin statt, die im September im Rahmen der Berliner Art Week eröffnet wurde und bis 19. Jänner zu sehen ist.

Die Ausstellung versammelt Arbeiten von 28 internationalen Künstlerinnen und Künstlern und umfasst eine Vielzahl von Medien wie Malerei, Skulptur, Fotografie, Film, Audioinstallation, ortsspezifische Intervention und Performance.

Mit Arbeiten von Marina Abramović und Ulay, José Bechara, Sibylle Bergemann, Tagreed Darghouth, Jose Dávila, Willie Doherty, Smadar Dreyfus, uvm.


"Durch Mauern gehen"
Foto: Dominik Nostitz
Ausstellung "Durch Mauern gehen" im Gropius Bau, Berlin


"Durch Mauern gehen"
Foto: Dominik Nostitz
Ausstellung "Durch Mauern gehen" im Gropius Bau, Berlin


"All along the Watchtower"
von Nadia Kaabi - Linke
Foto: Dominik Nostitz
Ausstellung "Durch Mauern gehen" im Gropius Bau, Berlin


"All along the Watchtower"
Ausstellungstext zu all along the Watchtower von Nadia Kaabi - Linke
Foto: Dominik Nostitz
Ausstellung "Durch Mauern gehen" im Gropius Bau, Berlin

https://www.berlinerfestspiele.de/de/berliner-festspiele/programm/bfs-gesamtprogramm/programmdetail_274530.html

Diverse Links und Berichte

Bericht im Chronikteil des Kuriers:
https://kurier.at/chronik/burgenland/juni-1989-wie-menschen-an-der-grenze-die-ereignisse-erlebten/400530916
Karte EUROPE Eiserner Vorhang _ Kurier

Mit dem RAD entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs

Bericht im Standard:

Iron Curtain Trail Karte, DerStandard
https://www.derstandard.at/story/2000005313905/elektrifiziertes-rad-statt-eiserner-vorhang
Website des beschriebenen Projekts:
https://www.eurovelo.at/ev13.html

Oder auch leicht skuril anmutende Erfahrungen in einem Grenzgefängnis..
In Tschechien gibt es das Museum des Eisernen Vorhangs
http://www.muzeumopony.cz/de/

Aus der Fotosammlung des Weltmuseums


"Bucharische Juden"
„Bucharische Juden“ aus der Serie „Ansichten und Volkstypen aus Transkaspien“
Alexander Karlowitsch Engel, Datierung vor 1891, (Frühestes Datum 1871, Spät. 1890)
Aus der Fotosammlung des Weltmuseum Wiens

Ende des 19. Jahrhunderts fallen nur wenigen europäischen Reisenden nach Russisch-Zentralasien die dort lebenden Juden auf. In vielem haben sie sich, geltender Bekleidungsvorschriften zum Trotz, den sie umgebenden Tadschiken und Usbeken angepasst. Zu Hause in den eigenen Wohnvierteln lebt man jüdisch, in der Öffentlichkeit nicht. Die Einrichtungsgegenstände für ihre Häuser kaufen die Juden bei den muslimischen Handwerkern auf den städtischen Basaren. Muslime lassen sich bei jüdischen Wunderheilern behandeln. Ihren Glauben leben die bucharischen Juden diskret. Der Name der Stadt Buchara, ihres geistigen Zentrums, wird zum Sammelbegriff für die Juden Zentralasiens.

Der Legende nach kehrt nach dem Ende der babylonischen Gefangenschaft im 8. vorchristlichen Jahrhundert ein Teil der Juden nicht ins Heilige Land zurück. Stattdessen ziehen sie über Persien nach Zentralasien, wo sie sich entlang der Seidenstraße niederlassen. Persisch wird ihre neue Muttersprache; das Hebräische bleibt auf das Rituelle beschränkt. Mehr als 2.000 Jahre leben sie nahezu abgeschnitten vom Rest der jüdischen Welt. Mit der Zeit schwindet auch das Wissen über die religiösen Regeln, bis 1793 der aus Marokko stammende Rabbiner Yosef ben Moshe Maimon in Buchara hängenbleibt und den dortigen Juden Nachhilfe leistet. Er lässt für sie Bücher kommen und lehrt sie die Riten der Sephardim, der Nachfahren der 1492 aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zwingen prekäre ökonomische Verhältnisse, mangelnde Perspektiven und fehlende Heiratspartner die bucharischen Juden zum Exodus nach Israel, in die Neue Welt oder nach Europa. In den Städten Zentralasiens leeren sich die Synagogen und verfallen. Die größte europäische Gemeinde der bucharischen Juden lebt heute in Wien. Sie zählt an die 2.000 Mitglieder.

Von der Mauer zur Kette - Der Balitsche Weg - The Baltic Way: the day holding hands changed the world

Eine der spannendsten friedlichen Demonstrationen in der Geschichte der Menschheit war wohl der „Baltische Weg“.
Am 23. August 1989 bildeten zwei Millionen estische, lettische und litauische Hände die längste menschliche Kette der Geschichte. Die Baltische Kette oder der Baltische Weg (litauisch Baltijos kelias, lettisch Baltijas ceļš, estnisch Balti kett, Letzteres wörtlich Baltische Kette) war 650 Kilometer lang und verlief durch die Baltischen Staaten und Hauptstädte – Tallinn in Estland, Riga in Lettland und Vilnius in Litauen. Es war die größte friedliche Demonstration in der Geschichte der Sowjetunion, die den 1939, 50 Jahre zuvor entstandenen Molotov – Ribbentrop Pakt zwischen Hitler und Stalin, der zur Besetzung der Baltischen Staaten führte, anprangerte. Der Baltische Weg symbolisierte den Wunsch nach Freiheit, zeigte deutlich die Bereitschaft zu Solidarität unter den Baltischen Ländern und war ein sehr deutliches Signal nach dem Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit.

Litauen erklärte als erstes Land seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion.
Der 23. August ist der offizielle Tag „Black Ribbon Day“ oder der Europäische Tag an die Erinnerung der Opfer des Stalinismus und Nationalsozialismus.

Es ist der europäische Gedenktag an die Opfer von totalitären Diktaturen in Europa im 20. Jahrhundert.
Am 23. September 2008 haben 409 Mitglieder des Europäischen Parlaments eine Erklärung zur Unterstützung der Errichtung des Gedenktages unterzeichnet. Am 2. April 2009 wurde eine Entschließung zur Ausrufung des Tages mit 533 Stimmen (44 contra und 33 Enthaltungen) angenommen.
http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?reference=P6_TA(2008)0439&language=DE

Jeder vierte aus den Baltischen Ländern nahm am Baltischen Weg teil, oft gleich mehrere Generationen aus einer Familie.
Dokumente des Baltischen Weges wurden in das Weltdokumentenerbe der UNESCO 2009 aufgenommen.


Der Baltische Weg
Foto Frank Drauschke
Aus der Sammlung der Europeana

Im August 1989 trampte Frank Drauschke durch das Baltikum und erfuhr auch von der geplanten Menschenkette von Tallinn über Riga nach Vilnius. Da er zu diesem Zeitpunkt in Lettland war, fuhr er nach Riga und nahm am 23. August 1989 am Baltischen Weg im Zentrum von Riga teil. Seine Fotos zeigen die Menschenkette und die darauf folgende Demonstration am Freiheitsdenkmal in Riga. Später erfuhr er, dass seine erste freie Demonstration auch die größte friedliche Demonstration in der Geschichte gewesen war. Über 2 Millionen Menschen reichten sich am 23. August 1989 um 19 Uhr die Hand und bildeten eine Menschenkette auf einer Strecke von über 600 km durch alle drei baltischen Staaten, die damals noch Sowjetrepubliken waren. Das Signal für die Kette wurde über das Radio gegeben. Sie demonstrierten zum 50. Jahrestag des Hitler-Stalin Paktes für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit von Estland, Lettland und Litauen.
Europeana 1989 - Berlin, 12-13.09.2014

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/der-baltische-weg-1660320

Menschenkette als Demonstrationssymbolik:
Nach 30 Jahren wiederholt sich Geschichte in gewissen Teilaspekten, bzw. unter Heranziehung von Erfahrungen vorhergehender Demonstrationen wie heuer im Libanon.

https://orf.at/stories/3142302/